
Vielleicht liegt's an meiner subjektiven Wahrnehmung, aber ich finde: In der Regel ist das, man man im Zusammenhang mit "Europaparlament" liest oder hört ja nichts umwerfend Tolles. Umso verblüffter (um nicht zu sagen: bass erstaunt bis ungläubig) war ich, als mir folgende Meldung via "Google News-Alert" in die Mailbox flatterte:
Das Europaparlament hat sich am Mittwoch für die Einführung eines Mindestlohns in allen EU-Staaten ausgesprochen. Außerdem soll es künftig ein Gütesiegel für Waren aus Drittstaaten geben, die unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt wurden.
Diese Ideen sind so erstaunlich gut, dass ich – zutiefst skeptisch – mehr erfahren wollte. Und siehe da, meine Skepsis war berechtigt. Der Presseservice des Europaparlaments nämlich vermeldet aus der selben Plenarsitzung:
Außerdem setzen sich die Abgeordneten z.B. für ein Programm für menschenwürdige Arbeit ein, dass von EU und IAO finanziert wird und die "wirksamsten Strategien zur Förderung menschenwürdiger Arbeit" ermittelt. Hingegen wurde der Vorschlag des Beschäftigungsausschusses, eine Liste von Unternehmen zu erstellen, die fortlaufend gegen grundlegende Arbeitsnormen verstoßen, von der Mehrheit im Parlament abgelehnt. Auch der Vorschlag für ein Siegel für Produkte, die unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt wurden, fand keine Mehrheit im Plenum.
"Ein Programm, das wirksame Strategien ermittelt", keine konkreten Maßnahmen… genau, das klingt doch schon eher vertraut. Danke Straßburg, nur keine Überraschungen.