"Fit statt fett": Ganz schön mager, dieser Aktionsplan der Bundesregierung
abgelegt im Archiv Gut genießen am 10.05.07
Lieb von unserer ja bekanntlich durchwegs mit Idealfiguren besetzten Bundesregierung, dass sie uns Moppeln in Zukunft unter dem charmanten Motto "Fit statt fett!" den Tugendpfad zur gesunden Ernährung weisen will. Doch undankbaren Menschen geht der Aktionsplan, der immerhin so kreative Ideen wie die farbige Kennzeichnung von böööösen Dickmach-Lebensmitteln oder die Förderung von "Bewegung im Alltag" beinhaltet, mal wieder nicht weit genug.
Foodwatch-Chef Thilo Bode zum Beispiel fordert im "Stern"-Interview ein Ende des Kuschelkurses zwischen Regierung und Industrie:Die Nahrungsmittelkonzerne sind eng verbandelt mit der Agrarindustrie, diese wiederum mit der chemischen Industrie. Und diese ganze Lobby hat dazu noch ein eigenes Ministerium in Berlin, das Landwirtschaftsministerium. Dass dieses formal auch für "Verbraucherschutz" zuständig ist, davon merken die Verbraucher nicht viel.
Deutliche Beispiele dafür, wie ungeschützte Marketingbegriffe den Verbraucher aufs ernährungstechnische Glatteis führen, liefert Bode zuhauf: "Der Erdbeer-Milchjoghurt "Biene Maja" von bauer. Da steht auf der Packung, er enthalte 16,4 Gramm Kohlenhydrate. Dies heißt aber nichts anderes als Zucker. Umgerechnet sind das 55 Stück Würfelzucker pro Liter. Ein Liter Cola mit einem Gehalt von 35 Stück Würfelzucker ist dagegen das reinste Diätgetränk. Die Industrie versteckt Zucker hinter harmlos klingenden Bezeichnungen wie "Kohlenhydrate" oder so einen Quatsch wie "Fruchtzucker aus der Natur". Aber Zucker bleibt Zucker. Überhaupt ist oft vieles nicht gesund, was als "Frucht" oder "gesunde Früchte" daherkommt. Von Schwartau gibt es etwa die "tägliche Portion Obst in einer Flasche", "ohne Zuckerzusatz, knackige Obststoffe" - sehr beliebt. Das ist aber nichts anderes als Wasser mit Fruchtsaftkonzentrat plus "natürliches Aroma", also Aromen aus Holzpilzen, nicht etwa aus echten Früchten."
Ein Bündnis aus Öko-Institut, dem Institut für sozial-ökologische Forschung und Akteuren aus Wirtschaft, dem Gesundheitsbereich und Verbraucherorganisationen ihrerseits fordern eine Erweiterung des Aktionsplans um "Umweltaspekte und ethische Ziele". "Dazu gehört beispielsweise die Förderung der Artenvielfalt, der Boden- und Wasserschutz oder die Vermeidung von Schadstoffeinträgen. Auch für den Klimaschutz spielt nachhaltige Ernährung eine Schlüsselrolle", sagt Dr. Ulrike Eberle, Expertin für nachhaltige Ernährung am Öko-Institut. "Ebenso muss unsere Ernährung faire Handelsbeziehungen, soziale Gerechtigkeit und Artgerechte Tierhaltung gezielt unterstützen." Strategien, mit denen dies erreicht werden kann, haben Öko-Institut und ISOE gemeinsam mit weiteren Partnern in dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Forschungsprojekt "Ernährungswende" erarbeitet.
Und hier noch mein persönlicher Aktionsplan: Erstmal Mittagessen. Mahlzeit! ;-)

Tags: Aktionsplan Ernährung Seehofer foodwatch fit+statt+fett
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