
Ich habe mich ja sehr amüsiert, als Frau Christiansen am vergangenen Sonntag in ihrer Talkrunde (das Thema erschloss sich mir nicht ganz, es ging irgendwie um Ernährung und Übergewicht) den mittlerweile wirklich völlig veralteten Quark auftischte, dass "ja sowieso niemand zu McDonald's gehe, genauso wie niemand die BILD liest – zumindest gibt's keiner zu, hihihaha". Ach Sabine, in welchem Jahrzehnt bist du denn da hängengeblieben – schätzungsweise so Mitte der 80er?
Tatsache ist nämlich: Jeder geht zu McDonald's. Ok, Wolfram Siebeck vermutlich nicht, und Dame Christiansen augenscheinlich auch nicht. Sonst wüsste sie nämlich, dass dort unaufhörlich Menschen aller Altersklassen und Bevölkerungsschichten fröhlich und ohne jede Heimlichtuerei in Burger beißen, an Pommes nagen oder zähflüssige Shakes saugen. Selbst ich, die ich im oben genannten Zeitraum (nämlich eben Mitte der 80er) hin und wieder irgendwelche Flugblätter vor stark frequentierten Filialen unters Volk zu bringen versuchte (ging's um den Regenwald oder um die damals noch üblichen Styroporverpackungen? Weiß ich auch nicht mehr genau…) rattere heute dort so schätzungsweise einmal pro Quartal meine Standardbestellung "einencheeseburgerkleinepommesundneunernuggetsmitbarbecuesoßebitte" herunter, und zwar bisher ohne jeglichen Skrupel. Bisher! Denn was mir eben per "foodwatch"-Newsletter in die Mailbox flatterte, macht eigentlich wenig Appetit:
Täglich essen etwa 2,3 Millionen Menschen bei McDonald's. Für sie werden jeden Tag mehr als 100.000 Kilogramm Hackfleisch zu Burgern verarbeitet, das von Kühen kommt, die gentechnisch verändertes Futter fressen. Das hätte McDonald's längst ändern können! Denn seit dem 18. April 2004 werden gentechnisch veränderte Futtermittel in der EU gekennzeichnet. McDonald's hat angeblich 1.770 Menü-Kombinationen im Angebot, aber keinen einzigen Hamburger ohne Gentechnik. Das können Sie ändern! Bringen Sie McDonald's auf Trab! Schreiben Sie McDonald's Ihren persönlichen Kundenwunsch. Teilen Sie McDonald's mit, dass selbst 1.770 Menü-Kombinationen im Angebot nicht genug Auswahl ist, wenn kein Hamburger ohne Gentechnik dabei ist. Denn nur Futter ohne Gentechnik ergibt Burger ohne Gentechnik.
Schauder. Viel mehr als die Sache mit dem gentechnisch veränderten Futter setzen mir persönlich ehrlich gesagt diese Zahlen zu: 100.000 Kilogramm Hackfleisch pro Tag! Allein in Deutschland wohlgemerkt. Die Vorstellung dieses Fleischbergs wird mich hoffentlich in Zukunft wieder einen großen Bogen um die Burgerbraterei schlagen lassen. Das Formular für die Briefaktion an McDonald's hab' ich aber trotzdem ausgefüllt und abgeschickt.
Ich habe mir die Christiansen nur sehr selten angetan, obwohl ihre kläglichen Bemühungen durchaus Amüsierpotential besitzen
Posted by herbert on Mai 1st, 2007.