
Ich war ziemlich überrascht, als am Donnerstag in den Nachrichten über die Eröffnung der IAA in Frankurt berichtet wurde. Überrascht deshalb, weil bereits seit mindestens drei Wochen Neuheiten, Trends und Verbrauchsdaten derart umfangreich thematisiert werden, dass die "Internationale Automobil Ausstellung" meinem empfinden nach eigentlich längst begonnen haben müsste. Naja, so geht's einem eben, wenn man immer nur mit einem halben Ohr hinhört bzw. nur mit einem halben Auge hinliest, wenn es um Autos geht. Trotzdem entging selbst meiner geteilten Aufmerksamkeit nicht, dass in der Presse unisono von einer grünen Trendwende auf der IAA die Rede war: Schließlich und endlich hätten doch auch die deutschen Automobilhersteller die Zeichen der Zeit erkannt und würden jetzt allesamt auf verbrauchsarme Neuheiten und alternative Antriebstechniken setzen, hieß es.
Nicht ganz so begeistert zeigt sich hingegen Greenpeace, das insgesamt 19 Modelle der IAA auf den ökologischen Prüfstand gestellt hat. "Mehr grüner Schein als Sein" lautet das Resümee.
"Noch immer gilt bei der Entwicklung von Motoren, vor allem die Leistung der Fahrzeuge zu erhöhen. Eine Trendwende für mehr Klimaschutz ist weiterhin nicht in Sicht", erklärt Wolfgang Lohbeck, Verkehrsexperte von Greenpeace. "Sie versuchen mit Scheinlösungen wie Hybrid- oder Gasantrieb vorzutäuschen, ihre Autos seien klimafreundlich geworden. Der Kraftstoffverbrauch der meistverkauften Modelle wird aber nur um Zehntelpunkte hinter dem Komma verringert", so Lohbeck.
Der vielfach als "Trendwende" hochgelobte "Polo Bluemotion" beispielsweise sei trotz als positiv zu beurteilender verbrauchsreduzierender Maßnahmen aufgrund seines hohen Gewichts höchstens ein "besser als gar nichts", keinesfalls aber eine Trendwende. Noch viel drastischer geht man bei Greenpeace mit dem "Porsche Cayenne Hybrid" ins Gericht: "Perversion mit Alibitechnik" lautet das Gesamturteil.
Die detaillierte, übersichtliche Bewertung aller 19 Modelle stellt Greenpeace als PDF (1,4 MB) zum Download bereit.