Himbeereis zum Frühstück, Erdbeeren im Winter
abgelegt im Archiv Gut genießen am 25.02.07
Gestern im Supermarkt bei Obst und Gemüse: Ein junger Vater und seine kleine Tochter - grob geschätzt vielleicht sieben oder acht - beim Wochenendeinkauf. Der Papa greift zu einem Schälchen Erdbeeren aus Spanien und sagt: "Mmmh, schau mal, die schönen Erdbeeren! Die nehmen wir mit, dann können wir später Erdbeeren mit Sahne essen." Das Kind, total empört: "Nein Papa! Die kannst du nicht kaufen, die sind voll giftig und schlecht für die Welt! Erdbeeren darf man nur im Sommer kaufen, hab' ich im Fernsehen gesehen."
Ha, da sage noch einer, die Kinder würden beim Fernsehen verdummen. Dass man möglichst saisonal und regional einkaufen soll, sollte sich allerdings inzwischen auch bei uns doofen Erwachsenen herumgesprochen haben. Aber der Schweinehund halt, gell? Ich persönlich kaufe Erdbeeren zwar tatsächlich nur, wenn ich sie bei dem netten Mann in dem lustigen Erdbeerbüdchen frisch vom Feld bekomme, aber drei spanische Tomaten habe ich gestern trotzdem mitgenommen. Schmecken nach nichts, das geschieht mir ganz recht.
Zu Hause fiel mir dann wieder ein, dass ich unlängst einen interessanten Artikel der Süddeutschen gebookmarkt habe, in dem die Auswirkungen unseres Ganzjahresappetits auf sommerliches Obst und Gemüse am Beispiel andalusien recht eindrucksvoll geschildert wurden:Die industrielle Landwirtschaft hat dafür gesorgt, dass große Teile Südspaniens im Satellitenbild so aussehen, als hätte jemand eine gigantische Plastiktüte darüber gestülpt. Allein in den Erdbeerfeldern bei Huelva fallen jährlich 4500 Tonnen Plastikabfall an, der zum Recyclen in die USA verschifft wird. Noch beunruhigender aber ist der unstillbare Wasserdurst der wuchernden Agrarindustrie.
Das spanische Umweltministerium schätzt, dass die Landwirtschaft im ganzen Land etwa eine halbe Million illegaler Brunnen betreibt, die pro Jahr eine Grundwassermenge fördern, die den Bedarf von fast 60 Millionen Menschen decken könnte. Manche Bohrlöcher reichen bis zu 1200 Meter in die Tiefe, wie bei der Stadt Jaen. Dort ist man darauf gekommen, dass Olivenbäume die dreifache Menge Früchte tragen, wenn man sie bewässert. Der Grundwasserspiegel sinkt dramatisch.
Und das in einer Region, die vom Klimawandel besonders stark betroffen ist. In Spanien haben drei Dürresommer in Folge die Reserven in den Stauseen auf 40 Prozent ihrer Kapazität sinken lassen. In Nachbarländern wie Marokko zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Fast zwei Drittel des Mittelmeerraums drohen laut EU-Daten in den nächsten Jahrzehnten zu Wüsten zu werden.
Also, Erdbeeren und Tomaten lieber erstmal vergessen. Auch wenn das bei dem verführerischen Foto da oben wirklich schwerfällt. Aber er kommt ja bald wieder, der nette Erdbeermann in seinem Erdbeerbüdchen!

Das spanische Umweltministerium schätzt, dass die Landwirtschaft im ganzen Land etwa eine halbe Million illegaler Brunnen betreibt, die pro Jahr eine Grundwassermenge fördern, die den Bedarf von fast 60 Millionen Menschen decken könnte. Manche Bohrlöcher reichen bis zu 1200 Meter in die Tiefe, wie bei der Stadt Jaen. Dort ist man darauf gekommen, dass Olivenbäume die dreifache Menge Früchte tragen, wenn man sie bewässert. Der Grundwasserspiegel sinkt dramatisch.
Und das in einer Region, die vom Klimawandel besonders stark betroffen ist. In Spanien haben drei Dürresommer in Folge die Reserven in den Stauseen auf 40 Prozent ihrer Kapazität sinken lassen. In Nachbarländern wie Marokko zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Fast zwei Drittel des Mittelmeerraums drohen laut EU-Daten in den nächsten Jahrzehnten zu Wüsten zu werden.
Tags: Andalusien Landwirtschaft Dürre Grundwasser Erdbeeren+Winter Obst Saison
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Kommentar von:
Arkala
(10.09.08 17:13 Uhr)
Ich könnte nie Erdbeeren im Winter essen.
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