Indien: Kindersklaverei in der Textilindustrie

Indien: Kindersklaverei in der Textilindustrie

Wenn die Presse einen Fall von Kinderarbeit aufdeckt, sind die Details immer schockierend. Und zu dem Entsetzen gesellt sich schnell das ungute Gefühl, es vielleicht trotz der punktuellen Berichterstattung zu diesem Thema nicht mit Einzelfällen zu tun haben. Würde man vielleicht viel mehr solcher "Einzelfälle" entdecken, wenn mehr in diese Richtung recherichiert werden würde? Und: Wenn es für Journalisten möglich ist, die Geschichte eines Kleidungstücks so lückenlos aufzudecken, warum ist es dann für die "betroffenen" Firmen so schwierig, die Arbeitsbedingungen in ihren Zulieferbetrieben zu kontrollieren?

En Journalist der britischen Zeitung "The Observer" und ein Fernsehteam des WDR-Wirtschaftsmagazins "markt" sind bei verdeckten Recherchen in einer Textilfabrik in Neu delhi auf Kinder gestoßen, die Blusen für die Modekette GAP anfertigten. 16 Stunden täglich, ohne Bezahlung, statt dessen körperliche und seelische Gewalt. Manche der Kinder seien nicht einmal zehn Jahre alt gewesen, so der Observer. Die Kinder gaben an, von ihren Familien in den indischen Unionsstaaten Bihar und Westbengalen verkauft und in einem 30-stündigen Transport ohne Nahrung nach Neu Delhi gebracht worden zu sein.

"markt" wird in seiner Montagssendung morgen über diesen und andere Fälle von Kinderarbeit und-sklaverei in der indischen Textil-Zulieferindustrie berichten. WDR, Sendezeit: 21 Uhr.


3 comments.

  1. Es ist immer gut, wenn ein gegebener Pressehype für so ein heikles Thema sensibilisiert.

    Aber wir wissen ja alle, dass nur eine grundlegende Änderung unseres Konsumverhaltens eine Verbesserung der Zustände bewirken wird: Keine Nachfrage nach billig produzierter Ware, kein Angebot.

    Es ist glaube ich kein Geheimnis, warum gerade ich mich zu dem Thema zu Wort melde!

  2. Hi Philipp, danke fürs Feedback :) Aber glaubst du wirklich, dass allen (oder auch nur einer Mehrheit) bewusst ist, wie extrem die Folgen sind? Ich höre beispielsweise immer das haarsträubende Argument “Ja, aber immerhin haben die Leute dort dann eine Arbeit, sonst hätten sie ja gar nix”. Ich dene auf jedenfalls, es kann der Sache nur dienlich sein, wenn möglichst plakativ und auf breiter Front über die schrecklichen Zustände berichtet wird, die unsere lieben Schnäppchenjäger mit verursachen.

  3. Prinzipiell stimme ich zu, aber das Thema ist natürlich komplex, weil es letztlich mehrere Verursachergruppen gibt. Sprüche, wie der von dir zitierte oder “Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied” sind natürlich unendlich arrogant und rühren stets von völlig gesättigten und unreflektierten Wohlständlern, die nie wirklich existentiell für sich sorgen mussten. Solche Leute werden mit ihrer Meinung auch glasklarem Enthüllungsjournalismus widerstehen können, denen kommt man nicht bei, oder?

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