Kalter Kaffee: Was tut sich bei Tchibo in Sachen "soziale Verantwortung"?

Kalter Kaffee: Was tut sich bei Tchibo in Sachen "soziale Verantwortung"?

"Jede Woche eine neue Welt" lautet der Slogan von Tchibo. Aber während Warensortiment und Schaufenster tatsächlich jede Woche ganz anders aussehen, zeigt sich der Kaffeeriese (der ganz nebenbei übrigens auch auch der achtgrößte Textil­einzelhändler Deutschlands ist!) in anderen Belangen weitaus behäbiger. Zu diesem Schluss muss man jedenfalls kommen, wenn man sich die Anfang diesen Jahres neuaufgelegte Dokumentation der Tchibo-Kampagne von Terre des Femmes (TdF) zu Gemüte führt.

In der 50seitigen Broschüre erfährt man erschreckendes über die desolaten arbeitsbedingungen der Textilarbeiterinnen, die es auch fast zweieinhalb Jahre nach Start einer umfangreichen Informationskampagne und vollmundigen Versprechen von Kaffeeröster-Seite nach wie vor ermöglichen, dass in Europa Massenware zu Niedrigpreisen auf den Markt gebracht werden kann: »

In Tausenden Fabriken müssen die Näherinnen bis zu 14 Stunden täglich, bis zu 100 Arbeitsstunden pro Woche arbeiten, oft sieben Tage in der Woche.«

Im ersten Jahr der Kampagne zeigte Tchibo kaum Gesprächsbereitschaft. Erst aufgrund des zunehmenden massiven öffentlichen Drucks begann der Konzern sich zu bewegen. Vorläufiger Höhepunkt ist die Absicht Tchibos, ausgewählte Lieferanten in vier strategischen Ländern und sämtliche Importeure bezüglich der Umsetzung von Sozialstandards zu schulen. Dennoch ist noch viel zu tun. So kritisiert die Autorin der Broschüre, Dr. Gisela Burckhardt: "Alle Schulungsmaßnahmen betrafen bisher nur das Management, die Arbeiterinnen wurden nicht einmal informiert. Die Löhne sind weiterhin nicht existenzsichernd und die Bildung von Gewerkschaften wird von den Zulieferern hintertrieben."

Die Neuauflage der Broschüre kann als Printausgabe für 5 Euro bei TdF bezogen werden, eine ältere Version, die die Chronologie der Ereignisse bis Anfang 2006 berücksichtigt, steht als PDF bei CCC zum Download bereit.


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