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"Kinderarbeit für den Heine-Versand" - Ein Artikel und seine Folgen

abgelegt im Archiv Gut anziehen am 04.02.07

"Kinderarbeit für den Heine-Versand" - Ein Artikel und seine Folgen
Dass mich beim Zeitunglesen Rat- und Fassungslosigkeit befällt, kommt schon mal vor. Magazine wie der "Stern" sind allerdings selten der Auslöser (was auch daran liegen könnte, dass ich den so selten lese). Diesmal allerdings hat mich just diese Feierabendlektüre ganz schön aus der Fassung gebracht. Genauer gesagt ein Artikel mit dem Titel "Kinderarbeit für den Heine-Versand".

Ein Redaktionsteam hatte die Spur eines Kleidungsstücks zurückverfolgt: einer aufwendig bestickten Bluse, die im Heine-Katalog auf Seite vier für 39,90 Euro angeboten wird. Die Spurensuche endete - Zitat - "in einem stinkenden Kellerloch in Neu-Delhi".

"Er stickt und stickt und stickt - 14 Stunden am Tag verziert er Blusen mit Pailletten. Genauso wie die anderen Kinder, die hie hier zwischen Stapeln mit halb fertigen Textilien schuften. Ein Junge, Anil, sagt, er sei zwölf. An der Rückseite seiner Beine hat er frische Wunden. Der Aufseher steht daneben, als er Kleine heftig bestreitet, geschlagen worden zu sein. "Ich will hier arbeiten", sagt er. "Da weiß ich, wo ich schlafen kann."
Fast schon eine Ironie des Schicksals, dass es hier ausgerechnet den Heine-Versand getroffen hat - eine Tochter des OTTO-Konzerns, der sich seit langem dafür einsetzt, dass seine Produkte unter fairen Bedingungen produziert werden und für sein Engagement in diesem Bereich bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. Für viele Leser des "Stern"-Artikels mag der Schluss nahe liegen, dass es nun doch eigentlich wieder ganz egal sein kann, was und bei wem man kauft, wenn schon die Unternehmen, die sich verantwortungsvolles Handeln auf die Fahnen geschrieben haben, so kläglich scheitern wie in diesem Beispiel. Andere werden denken, dass man Heine und OTTO jetzt eben boykottieren muss. Beide Schlüsse sind falsch.

Was der Artikel zeigt, ist, dass das Engagement dieser Unternehmen noch nicht ausreicht. Ein "Code of Conduct" in dem sich Subunternehmer und Lieferanten zur Einhaltung sozialer und ökologischer Standards verpflichten, kann nur dann funktionieren, wenn auch direkt vor Ort kontrolliert wird. Und er kann nur dann funktionieren, wenn dafür gesorgt wird, dass die Lebensbedingungen in den Produktionsländern unserer globalisierten Welt nicht mehr so hoffnungslos und desolat sind, dass einem Kind selbst ein "stinkendes Kellerloch" und ein 14-Stunden-Arbeitstag als die bessere Alternative erscheinen. Beides kostet Geld, viel Geld. Geld, dass die Unternehmen nur dann zu investieren bereit sein werden, wenn der Druck der Öffentlichkeit und damit ihrer Kunden groß genug ist.

Im Leserforum des "Stern" schreibt der Pressesprecher der Otto Group:

... Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass der Heine-Lieferant entgegen seiner vertraglichen Verpflichtungen die arbeitsbedingungen bei seinem Vorlieferanten nicht überprüft hat. Das hätte er tun müssen und das hat er uns schriftlich gegeben. Doch leider führte wohl menschliches Versagen dazu, dass der Lieferant einen schweren Fehler begangen hat.

Im Vordergrund unserer Bemühungen standen natürlich die betroffenen Kinder. Gemeinsam und in Abstimmung mit indischen Behörden und Sozialorganisationen vor Ort haben wir deshalb sofort alle erforderlichen Schritte unternommen, um den Vorlieferanten vor Ort ausfindig zu machen und die betroffenen Kinder in Obhut zu nehmen. Wir werden den Kindern eine schulische und berufliche Ausbildung ermöglichen und ihnen damit die Chance für ein selbstbestimmtes Leben eröffnen.
Ein richtiger Schluss. Und ein guter Anfang.

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Tags: OTTO  Heine  Kinderarbeit  Stern  sweatshops 

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