
Gehören Sie zu den Lohas? Anders gefragt: führen Sie einen "Lifestyle of Health And Sustainability" also einen Lebensstil, der Gesundheit und Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellt. Sehr gut! Dann kann man schon einmal sicher davon ausgehen, dass stets leckeres und gesundes Essen auf ihrem Tisch steht. Doch die Welt retten Sie damit leider auch nicht!
Das schreibt BR-Online und nimmt dabei Bezug auf Kathrin Hartmanns neues Buch "Ende der Märchenstunde. Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ã-kos vereinnahmt". Darin findet sich erst einmal eine genaue Definition der Lohas und das Credo der Autorin klingt ein wenig nach dem Adorno-Satz vom nicht-existenten richtigen Leben im Falschen:
Hartmann kritisiert die Grundidee der Lohas, dass man die Welt, die durch den schlechten Kapitalismus ruiniert wurde, durch guten Kapitalismus oder guten Konsum wieder in Ordnung bringen kann. Hartmann hält dagegen: Es gebe kein richtiges Einkaufen im falschen Wirtschaftssystem und die Macht des Verbrauchers sei bei weitem nicht so groß, wie man annimmt.
Klar, Beispiele wie Bio-Erdbeeren im Winter, Bio -Äpfel aus Neuseeland oder Ã-ko -Waschmittel aus großindustrieller Herstellung werfen kein generell gutes Licht auf Bio -Produkte. Doch auf der anderen Seite frage ich mich, worin die Alternative besteht. Wenn Frau Hartmann schreibt, Sie würde sich wünschen, dass es in unserer Gesellschaft mehr politische Beteiligung gäbe und mehr Gemeinsinn: "Man sollte anfangen, Fragen zu stellen – zum Beispiel: 'In welcher Gesellschaft will ich leben?'." dann klingt das ebenfalls ein wenig nach Märchenstunde, denn auch die Beantwortung der Frage scheint wenig "political impact" zu haben.
Fatalistisch aber vermutlich zutreffend und trotzdem kann ich das Buch nur empfehlen. Es ist im Karl Blessing Verlag erschienen, kostet 16,90 Euro für 384 Seiten und hat die ISBN 3896674137.
Der Ansatz mit der Gesellschaft, in der man leben will, ist der richtige. Wenn die Menschen mit offenen Augen durch die Welt gehen und vor ihrem Handeln (nicht nur beim Einkaufen) kurz nachdenken, könnte sich etwas verändern. Nicht laut missionierend, aber durch Beispiele. Getreu dem Motto: “Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt.” (Ghandi) Vor Jahrzehnten hat auch niemand über grüne Aspekte in der Politik nachgedacht. Nun lässt die Gesellschaft hier bereits ihren Willen einfließen. Dies ist leider ein sehr schleppender Prozess, aber wir sind auf dem Weg. Jeder nach seinen Möglichkeiten, denn steter Tropfen höhlt den Stein. Mit der Globalisierung wächst meiner Meinung ganz allmählich das Bewusstsein, dass wir nicht mehr so verschwenderisch, zerstörend durch die Welt poltern sollten. Und wer Kinder hat, begreift dies, glaube ich, etwas schneller. Ein frohes Fest, ruhige, besinnliche Tage und einen angenehmen Jahreswechsel.
Posted by Kay Jarchow on Dezember 24th, 2009.