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Ich musste lediglich die Überschrift des Focus-Artikels lesen, um mich zu fragen, wer die Studie wohl finanziert hat. Doch pssst – keinerlei Mutmaßungen sondern nur Fakten, Fakten, Fakten. Und die liefern augenscheinlich die Forscher der London School of Hygiene & Tropical Medicine, die die Daten von sage und schreibe 50.000 Veröffentlichungen zum Thema Biokost analysiert haben:
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass ökologisch produziertes Essen gleichwertig war mit konventionell erzeugtem. In zehn von 13 untersuchten Kategorien zeigten sich keine signifikanten Differenzen. Die einzigen Unterschiede gab es durch Düngung und Reife bei der Ernte. Es ist unwahrscheinlich, dass diese Faktoren einen Einfluss auf die Gesundheit haben.
Unabhängig davon, ob die Daten der letzten 50 Jahre eine Aussage über das hier und jetzt manifestieren können sei an dieser Stelle bemerkt, dass neben dem reinen Gesundheitswert ja auch Geschmack, Nachhaltigkeit, Transportwege etc. eine Rolle spielen. Und die wurden in der Studie nicht berücksichtigt. Und auch, wenn ich schon wieder die Stimmen höre, die Bio als Etikettenschwindel bezeichnen: wer einmal im Billig-Discounter Tomaten oder Gurken gekauft hat, der wird die Biokost nachwievor höher schätzen. Auch, wenn der Nährwert angeblich genauso hoch ist …
Die Frage, wer denn die Studie bezahlt hat, kam mir auch zuerst. Dann allerdings als zweite Frage die, was da denn nun untersucht wird und was nicht. Die Frage nach den Colateralschäden an Boden und Wasser sicher nicht. Die Frage nach den sozialen Bedingungen der Produktion sicher auch nicht. Die Frage nach der geschmacklichen Qualität auch nicht. Die Frage, wie es diesen Lebensmitteln nach einer industriellen Behandlung geht auch nicht. Also – typisch wissenschaftlich. Liegt das Objekt der Begierde erst einmal tot auf dem Seziertisch, dann picke ich mir einen Teil heraus und wage eine Aussage mit Auswirkungen auf das Ganze.
Unter diesen Bedingungen müsste da schon mehr kommen, um mich wirklich zu beeindrucken.
Weiterhin guten (Bio-) Appetit
Hans-Gerd Staschewski
Posted by Hans-Gerd Staschewski on August 1st, 2009.