
Es kommt ja selten vor, dass ich eine Rede unseres Bundespräsidenten bejubeln, beklatschen und vielleicht sogar mit "Hotte, Hotte!"-Rufen begleiten möchte. Heute aber hat Herr Köhler mit seiner Eröffnungsrede beim 1. Deutschen Verbrauchertag bei mir voll gepunktet.
«Unser eigener Einkaufskorb mag klein sein, aber wir alle zusammen bewegen täglich riesige Gütermengen.»
Jedes Produkt, so Köhler, habe ein «zweites, unsichtbares Preisschild». Den zweiten Preis zahlten zunächst nicht die Käufer, «sondern andere Menschen, Tiere, die Umwelt». Das seien unbequeme Wahrheiten, denen man sich zu stellen habe. Jeder Verbraucher müsse seinen größeren Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung leisten.
Europäische Gütesiegel gefordert
Für bewusste Entscheidungen müssten die Verbraucher aber auch entsprechend informiert sein. Köhler forderte deshalb die Europäische Union auf, sich für europaweit entwickelte Gütesiegel einzusetzen. Die EU sollte sich dieser Frage verstärkt annehmen und auch klar festlegen, «welchen Qualitätsmaßstäben diese Siegel zu genügen haben». «Falls aber die Entwicklung auf europäischer Ebene nicht vorankommt, sollten wir in Deutschland weiterhin mit gutem Beispiel vorangehen», fügte Köhler hinzu.
Verbraucherschützer kritisieren Seehofer
Scharfe Kritik musste im Vorfeld des Verbrauchertags Bundesminister Seehofer einstecken: «Wir hätten den Wunsch, dass er am Kabinettstische auch mal als Sprachrohr für die Verbraucher auftritt und zu Themen wie Energie- oder Telefonpreisen Stellung bezieht. Doch man hört nichts von ihm», so die Vorsitzende des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Edda Müller. «Bisweilen gewinnt man den Eindruck, dass er seine Aufgaben als Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in alphabetischer Reihenfolge abarbeitet».